Hämatoonkologie

Arzt-Depesche 4/2022

Der Heterogenität des DLBCL auf der Spur

Wissenschaftlern gelang es mittels bildgebender Massenzytometrie (IMC) bei Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), Besonderheiten im Mikromilieu des Tumors (TME) zu identifizieren, die mit Chemoresistenz sowie Mutationssignaturen assoziiert waren und somit therapierelevante Biomarker beim DLBCL darstellen.
In der vorliegenden Studie wurde die IMC dazu genutzt, um in DLBCL-Patientenproben Tumor- und Immunzellen genauer zu analysieren und mit klinisch-pathologischen Merkmalen, wie mit der Ursprungszelle (COO), Genmutationen und dem Ansprechen auf Chemotherapien, zu vergleichen.
Durchgeführt wurde die IMC an 44 repräsentativen Tumorproben von 33 Patienten. Refraktäre Patienten zeigten dabei signifikant erhöhte Spiegel von PD-L(programmed death-ligand)1 und PD-L2 und ICOS (inducible T-cell costimulator) sowie des transmembranen Immuncheckpoint-Inhibitor-Proteins (ICI-Proteins), VISTA und des phosphorylierten STAT3 (pSTAT3; signal transducers and activators of transcription). Gleichzeitig war der Proliferationsmarker, Ki-67, jedoch im Vergleich zu Respondern reduziert. Zudem unterschied sich die Topologie zwischen GCB(Keimzentrums- B-Zellen ähnelnden)- und Non-GCB-Tumoren. Die auffallend hohe Interaktion von CXCR3(CXC-Motiv-Chemokinrezeptor 3)-exprimierenden CD4(cluster of differentiation 4)-Zellen mit dem Tumorkern führte zu der Vermutung, dass die CXCR3-Expression eine entscheidende Rolle beim Vordringen von Immunzellen zum Tumorkern spielt und somit ein interessantes Therapieziel darstellt. Weiterhin gelang es, die Tumorzellen räumlich in Zonen mit unterschiedlicher Immunreaktivität aufzuteilen. Im Vergleich zu den auf ICI-Therapien besser ansprechenden Hodgkin-Lymphomen zeigten sich beim DLBCL starke Unterschiede in den Expressionsspiegeln von PD-L1, PD-1 und TIM-3 (T-cell immunoglobulin and mucin domain 3).
Somit war es mittels einer multiplexen Einzelzellanalyse möglich, die heterogene Struktur des DLBCL zu untersuchen und Immunphänotypen zu beschreiben, die mit klinisch-pathologischen Merkmalen korrelierten. Diese Resultate bieten nicht nur wegen der neu beschriebenen therapierelevanten Biomarker, wie TIM-3, CXCR3 und CCR4 (C-C chemokine receptor type 4), eine Grundlage für innovative Behandlungsstrategien, sondern auch methodisch für das Monitoren von Therapieverläufen. GH
Quelle: Colombo AR et al.: Single-cell spatial analysis of tumor immune architecture in diffuse large B-cell lymphoma. Blood Adv 2022; 6(16): 4675-90
ICD-Codes: C85.1
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