Kasuistik

Arzt-Depesche 4/2022

Hyperkalzämie durch squamösen Tumor

Humorale Hyperkalzämie wird nur selten von Tumoren hervorgerufen. Die Autoren präsentieren den Fall einer 81 jährigen Frau, deren erhöhter Kalzimspiegel auf ein Urothelialkarzinom zurückging.

 

Eine 81jährige Frau stellt sich in der Notaufnahme vor mit sich verschlechternder beidseitiger Schwäche der unteren Extremitäten, verändertem mentalem Status und mit sich in den vorhergehenden zwei Wochen verschlechternden allgemeinen Gesundheitszustandes. Am Morgen des selben Tages stellte die Tochter Blut im Urin fest. Bei der Patientin waren bekannt Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Nierensteine, wiederkehrende Harnwegsinfektionen und sie war nach Uveitis auf dem linken Auge erblindet. Die klinische Untersuchung ergab herabgesetzten Luftfluss in den linken unteren Lungenflügel, chronisches Lymphödem mit einer Stauungsdermatitis und beidseitig einen leichten Tremor in den oberen Extremitäten. Laboruntersuchungen ergaben erhöhte Leukozyten (16600 /mm3), 14,4 mg/dl Kalzium, 69 mg Glukose/dl, 1,18 mg Creatinin dl, BUN war 34, 2,6 mg Laktat dl, 1,5 mg Gesamtbilirubin/dl, PTH (Parathormon) war niedrig, im Urin fand sich keine Protein, Hydroxyvitamin-D- und Dihydroxyvitamin-D- Spiegel waren niedrig. Auf dem Röntgenbild war der linke untere Lungenflügel verschattet. Das akute Nierenversagen die Pneumonie und die Hyperkalziämie wurden mit Antibiotika, Infusionen und Zoledronsäure behandelt. An Tag 4 lag ihr Calziumwert bei 12,8 mg/dl. Wegen einer Hypoalbuminämie durch Unterernährung entwickelte sie eine Flüssigkeitsüberladung, die mit Lasix unter enger Überwachung der Nierenfunktion behandelt wurde. Eine Ultraschalluntersuchung ergab eine etwa 7 cm große Masse entlang der rechten Blasenwand mit Hydronephrose. Der PTHrP(PTH-verwandtes Peptid)-Spiegel war erhöht, was mit der Diagnose einer tumorbedingten Hyperkalzämie übereinstimmte. Die Tumorbiopsie an Tag 7 ergab ein hochgradig invasives Urothelialkarzinom mit starker squamöser Differenzierung und Tumornekrose. Sie litt unter chronischer disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC) mit einem PT von 15,1 Sekunden, INR von 1,3, einem PTT von 30,0 Sekunden, Fibrinogen betrug 148 mg/dl, D-Dimer 12,026, Thrombinzeit 20,2 Sekunden, vermutlich wegen der erhöhten Gerinnungsneigung durch den Tumor.
Blasentumore sezernieren nur sehr selten PTHrP und verursachen so Hyperkalzämie, die Autoren fanden nur drei Fälle in der Literatur. Bei allen diesen Fällen zeigten Teile der squamösen Zellen höhere Immunaktivität, was vermuten lässt, dass die squamöse Differenzierung die treibende Kraft für die PTHrP-Produktion ist. Mit der Standardbehandlung für Hyperkalzämie werden gute Erfolge erzielt.  MR
Quelle: Tran TML et al.: A Curious Case of Hypercalcemia. R I Med J (2013). 2022; 105(3):39-41.
ICD-Codes: C68.9
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